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Ärzteausbildung | Foto: WavebreakmediaMicro/Fotolia

Im Visier: Ärzteausbildung | Bundesministerium für Gesundheit: Entwurf zur Ausbildungsreform

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Im Mittelpunkt der Reform steht ein abgestimmtes Konzept der Ärzteausbildung vom Beginn des Studiums bis zur postpromotionellen Ausbildung. Erarbeitet wurde das Konzept von Vertretern des BMG, der Länder, des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, der Österreichischen Ärztekammer und der medizinischen Universitäten.

Universitäre Ausbildung. Im universitären Bereich ist eine Verstärkung der Praxis durch eine zwischen den Universitäten abgestimmte Einführung des Klinisch-Praktischen Jahres (KPJ) im Mindestausmaß von 48 Wochen vorgesehen. Die Ausbildung im KPJ soll Erfahrungen und Kenntnisse vermitteln.

Basiskompetenzen. Nach der Promotion sollen die ersten neun Monate der Ausbildung in Basis-kompetenzen erfolgen. Diese Ausbildung beinhaltet 6 Monate Innere Medizin und 3 Monate Chirurgie/Unfallchirurgie und einen Schwerpunkt in Notfallmedizin. Die Inhalte dieser Basiskompetenzen orientieren sich an den 15 häufigsten Krankheiten laut WHO. Zweck dieser Ausbildungsphase ist der Erwerb der wichtigsten Fertigkeiten und Routinetätigkeiten. 

Evaluierungsschleife. Am Ende der Basiskompetenzen erfolgt eine Evaluierungsschleife unter Einbeziehung aller an der Ausbildung Beteiligten. Dieser Feedbackmechanismus soll die Stärken und Schwächen der Ausbildung spiegeln, jedoch keine Prüfungen beinhalten.

Ausbildung der Allgemeinmediziner/innen. Im Anschluss an die Basiskompetenzen (9 Monate) werden weitere Ausbildungsteile in Krankenanstalten folgen. Hier sollen besonders auch derzeit fehlende Fachrichtungen - teilweise in Form von Wahlfächern - enthalten sein. Im Anschluss ist eine 6 Monate dauernde Lehrpraxis zu absolvieren. Eine Lehrpraxisdauer von 6 Monaten orientiert sich am europäischen Durchschnitt, wobei angemerkt werden muss, dass in einigen Ländern kein vergleichbares System existiert. Die Inhalte der Lehrpraxis werden nach einem Phasenmodell aufgebaut werden, die erste Phase besteht aus Begleiten und Beobachten, die zweite Phase beinhaltet eine verstärkte Übernahme an Verantwortung und die dritte Phase kann selbstständiges Arbeiten inkludieren. 

Qualitätskriterien. Die Qualität der gesamten postpromotionellen ärztlichen Ausbildung wird in einer Ausbildungskommission zu definieren sein. Diese Kommission soll aus allen an der ärztlichen Ausbildung Beteiligten bestehen und genaue Qualitätsvorgaben festlegen bzw. diese auch evaluieren.

Vorteile der Reform

  • Die Ärzteausbildung in Österreich hinkt derzeit dem internationalen Trend hinterher, mit der vorgeschlagenen Reform wird internationales Niveau der Ausbildung erreicht.
  • Es werden Inhalte vermittelt, die bisher nicht enthalten sind, insbesondere Psychiatrie und in den Wahlfächern.
  • Die Inhalte sind stärker auf die tatsächliche Ausbildung in der niedergelassenen Praxis ausgerichtet.
  • Schwerpunkt auf Notfallorientierung in Basiskompetenzen steigert die Notfallkompetenz aller Jungmediziner/innen.
  • Wahlfächer ermöglichen gewisse Spezialisierungen in Teilbereichen der Medizin, die bisher nicht in der Ausbildung der Allgemeinmediziner/innen abgedeckt waren (z.B. Urologie, Augenheilkunde & Optometrie, Orthopädie & orthopädische Chirurgie, Anästhesie & Intensivmedizin)
  • Lehrpraxen können durch Steuerung gezielt dort gefördert werden, wo der größte Bedarf besteht.
  • Die Lehrpraxis in einer niedergelassenen Praxis vor allem im ländlichen Raum bietet ein interessanteres Tätigkeitsspektrum.
  • Über die Lehrpraxen im ländlichen Raum können die Jungmediziner/innen sowohl in diese Tätigkeiten als auch in den ländlichen Raum per se hineinschnuppern. Es besteht die Hoffnung, dass durch den Abbau der Vorurteile gegenüber dem ländlichen Raum ein größerer Anteil der Jungmediziner/innen zur Ansiedlung in ländlichen Regionen motiviert werden können.
  • Die Abstimmung der Ausbildungsinhalte mit universitären Curricula vermindert Doppelgleisigkeiten in den Lehrinhalten
  • Begleitende Evaluierung nach Abschluss des Studiums, nach den Basiskompetenzen und während der Ausbildung  garantiert bessere Ausbildungsqualität.
  • Genau definierte Qualitätsstandards für Lehrpraxeninhaber sollen auch dort möglichst hohe Qualität der Ausbildung ermöglichen.
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