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Foto: Christophe Fouquin - Fotolia.com

Im Visier: KAV - Lohnverhandlungen | Null-Lohnrunde? Rien ne va plus!

Interessensvertretung

Wir befinden uns in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Wir retten Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und demnächst Frankreich. Die Dreifach As wackeln, bald nur mehr A, dann B, dann Ramsch. Jugendarbeitslosigkeit, Massenabwanderung in angeblich reichere Staaten, der ehemals so starke Euro wackelt. Sparen ist angesagt. Die Konsequenz? Solidaritätspakt. Kostendämpfungspfad. Schlagwort um Schlagwort fliegt uns um die Ohren und den wenigsten sind die Konsequenzen bewusst.

Bedenkliche Tendenzen. Top-Manager stellen sich den Medien und benennen ihre Ziele. So zum Beispiel der mit Jänner 2013 ausscheidende Generaldirektorstellvertreter des Krankenanstaltenverbundes (KAV) Dr. Koblmüller, der doch tatsächlich behauptet hat, wir im KAV hätten 20 Prozent zu viel an Personal. Und wir erkennen, dass gerade beim Sparen unsere Manager gerne auf altbewährte Methoden zurückgreifen – Personalreduktion. Weniger Personal, weniger Ausgaben, gleichzeitig erhöhen wir die Leistungen und erzielen mehr Einnahmen. Die Menschen halten dann zwar nicht lange durch, brennen aus oder verlassen das Unternehmen, aber andere folgen ihnen nach. Junge, noch unverbrauchte ArbeitnehmerInnen, die sicher ein paar Jahre das System erhalten, bis sie dasselbe Schicksal ereilt. Im Bereich der Medizin  sind es unsere Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung. Unsere wichtigste Ressource für die Zukunft eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Warum liest man von zunehmender Abwanderung ins Ausland? Zu wenig Verdienst? Zu wenige Aufstiegsmöglichkeiten? Zu wenig Wertschätzung?

Null bedeutet Minus. Eine Nulllohnrunde ist eine Möglichkeit, Geld einzusparen. Doch in Relation zu den Schulden oder den Ausgaben bei Sachmitteln nehmen die dadurch erzielten Einsparungen einen  geringen Stellenwert ein. Aber eine Null ist bei einer Inflationsrate  von 2,5 bis 2,8 Prozent nicht einfach eine Null. Sie ist ein dickes Minus. Ein direkter Griff in die Geldbörse. Man nimmt uns von unserem Gehalt 2,5 bis 2,8 Prozent weg. Wir nennen es dann zwar Kostendämpfung oder Solidaritätspakt, Homogenitätsprinzip oder welche Begriffe es auch immer geben mag, um eine Geldentwertung schön zu reden. Wir müssen sparen! Aber gibt es dieses „WIR“? Wo ist der Beitrag der Börsen, der Banken, der Manager? Und während wir darüber diskutieren, steigen unsere Mieten, unsere Betriebskosten, unsere Ausgaben für Parken, Tanken, Essen, Bildung, Gesundheit, schlicht unsere Lebenshaltungskosten.

Klischees werden bemüht. Die medizinische Versorgung, gerade im öffentlichen Bereich gilt als saturiert, unverschämt. Verbeamtete ArbeitnehmerInnen, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und nur nach mehr und noch mehr schreien. Vom Reichtum gesättigte Ärztinnen und Ärzte, die gerne mit dem vielzitierten „Leichentuch“ winken und im Porsche sitzend gegen angebliche Ungerechtigkeiten demonstrieren. Klischee über Klischee. Die werden doch eine Nulllohnrunde verkraften! Wertschätzen können wir sie später, ihre Leistung respektieren – machen wir schon noch. Sie gerecht bezahlen? Uninteressant. Aber das „WIR“ hat ja noch ganz andere Auswirkungen. Der Reinigungskraft mit ihren 1000 Euro monatlich wollen wir auch eine Null verpassen. Und der Pflegeperson auch. Aber plötzlich geben diese Menschen weniger aus, weil auch sie angeblich sparen müssen. Die Wirtschaft klagt, weil weniger konsumiert, weniger produziert wird. Weniger Einnahmen in der Staatskassa, weniger Fördermittel. Was folgt? Richtig! Es muss gespart werden! Am Besten im Gesundheitsbereich. Denn die haben angeblich 20 Prozent zu viel Personal….
Wir werden uns gegen eine Nulllohnrunde wehren. Wir werden ebendiese nicht akzeptieren. Weil eine Nulllohnrunde früher oder später das Aus bedeutet. Weil wir uns eine Null nicht verdient haben. Weil die Leistungen mehr und nicht weniger werden. Weil wir es uns wert sind und weil wir es verdient haben adäquat bezahlt zu werden, egal welcher Berufsgruppe wir angehören.

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