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Im Visier: Kassenverhandlungen | Klaus Wirtinger: Leistungs- und Effizienzsteigerung zum Nulltarif? Das wird sich nicht ausgehen!

ÄKW I

Wie jedes Jahr stehen auch in diesem Herbst Kassenverhandlungen an. Diesmal handelt es sich allerdings nicht um Honorarverhandlungen im herkömmlichen Sinn, denn eine entsprechende Anpassung ist seitens der Kassen nicht vorgesehen. Die politische Vorgabe lautet: Effizienzsteigerung bei gleichbleibenden Kosten. Die Kassen versuchen uns dem entsprechend weitere Leistungen und Auflagen abzuringen ohne das Honorar entsprechend zu erhöhen. Da können wir nicht mehr mit.

Kataloganpassung. Die einzelnen Fachgruppen sind zu Vorgesprächen geladen, um eine Modernisierung des Honorarkatalogs zu erarbeiten. Das Stichwort heißt „aufkommensneutrale Kataloganpassung“. Was nichts anderes bedeutet, als Positionsleistungen rauszunehmen, um sie durch andere zu ersetzen. Ob diese Loch auf – Loch zu – Methode  allerdings zu einem Ergebnis führt, das den Standards der modernen Medizin umfassend gerecht wird, ist zu bezweifeln.

Skurrile Auflagen. In den Hauptverhandlungen wird es vor allem auch darum gehen müssen, dass überbordende, zeitaufwendige Bürokratie und immer neue – teilweise an Skurrilität kaum zu überbietende  – Auflagen, wie die Vorschreibungen zur Hygieneüberprüfung der MA 40 und die Extra-Ausbildung der Ordinationshilfen für Hygienemaßnahmen, bei gleichbleibenden Honoraren kaum zu bewältigen sind. Wir können schließlich nicht wie in der freien Wirtschaft unmittelbar auf steigende Kosten reagieren sondern sind an die Honorarvereinbarungen mit den Kassen gebunden.

Dilemma Gruppenpraxen. Es dürfen derzeit Gruppenpraxen weder für Renovierungen noch für Neuausstattungen vorübergehend geschlossen werden, nach dem Motto: „Betreten Sie die Baustelle, ungestörter Betrieb“. Fällt ein Arzt oder eine Ärztin aus, muss der oder die andere nach derzeitigen Vorgaben für zwei weiterarbeiten. Vertretungen sind nicht vorgesehen, was auf längere Dauer nicht zumutbar ist. Abschläge für auszuzahlende Honorare sind ebenfalls nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Für geänderte bzw. erweiterte Öffnungszeiten müssen zusätzliche Arbeitszeiten bezahlt bzw. weitere Angestellte aufgenommen werden. Der Mehrkostenausgleich ist bislang ungeklärt.

Neue Kassenstellen. Nachdem der Rechnungshof (RH) die Wiener Kassen für zu viele (!) Facharztstellen kritisiert hat, ist unserer Forderung nach zusätzlichen Kassenstellen wohl  im Reich der Wunschträume anzusiedeln. Auch, wenn der von den RH-Prüfern angeführte Vergleich mit Oberösterreich  - wo es im Verhältnis weniger Kassenstellen gibt – mehr als hinkt. Schließlich arbeiten dort weit mehr FachärztInnen im intramuralen Bereich.

Dennoch oder gerade deshalb müssen wir darauf bestehen, dass endlich Kassenstellen für Psychiatrie, im speziellen für Kinderpsychiatrie, für die es derzeit keine Kassenverträge gibt,  freigegeben werden. Denn der Bedarf steigt kontinuierlich und die Spitäler sind überfordert. Auch die Wartezeiten für einen Termin an den nuklearmedizinischen Abteilungen im intramuralen Bereich betragen derzeit drei Monate und mehr. Kassenstellen gibt es österreichweit bislang nicht.

Fazit: Wir müssen unseren VerhandlungspartnerInnen aus den Kassen klar machen, dass die Maxime „Effizienzsteigerung bei gleichbleibendem Honorar“ so wie derzeit vorgesehen, in der Praxis unmöglich umsetzbar ist. Wir können weder unseren Patientinnen und Patienten das Service bieten, das sie von uns erwarten, es wird uns auch unmöglich gemacht, als niedergelassene/r Facharzt/-ärztin im freien Wettbewerb finanziell halbwegs zu überleben.

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