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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres

Im Gespräch: Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres | "Wir wollen arbeiten und an den Ergebnissen gemessen werden."

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Am 7. Mai 2012, in der ersten Vollversammlung nach der Wahl der Wiener Ärztekammer, wurde Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres als erster Sozialdemokrat zu deren Präsidenten gewählt. Seither sind einige Wochen vergangen und wir baten den Vorsitzenden zum Gespräch über seine neue Herausforderung, erste Maßnahmen und Perspektiven in der Wiener Ärztekammer.

Analyse (A.): Ihr Start als neuer Präsident der Wiener Ärztekammer wurde von wilden Angriffen der nun entmachteten Vereinigung begleitet. Wie lässt es sich unter diesen Bedingungen arbeiten?
Präsident Dr. Szekeres (S.): Wir sind mit dem klaren Vorsatz angetreten, die Kammer zukunftstauglich zu machen und alle Ärztinnen und Ärzte entsprechend zu vertreten. Und wir haben von unseren Wählerinnen und Wählern die Chance bekommen, dies auch umzusetzen. Die unwürdigen Anwürfe der Vereinigung zeigen ja letztlich, dass die Zeit reif für einen Wechsel war. Wenn ich als Beispiel die Kritik an der Einsparung verschiedener Referate hernehmen darf: Es waren nicht unbedingt die - sagen wir es dezent - aktivsten Bereiche. Ich bekomme derzeit Anrufe von KollegInnen, die gar nicht wussten, dass es diese Referate überhaupt gab. Bezahlt wurden die zuständigen Referenten aber sehr wohl. Mein Credo: Man soll uns jetzt einmal arbeiten lassen und uns an den Ergebnissen messen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

A.: Es wurden also bereits Referate eingespart, wie schlagen sich die ersten Maßnahmen finanziell zu Buche?
S.: Wie erwähnt, wurden in den letzten Wochen eine Fülle von Referaten und sieben Präsidialreferenten eingespart. Die Funktionärshonorare wurden um 25 Prozent reduziert, ein signifikanter Beitrag zur Kostenreduktion und ein erster Schritt in Richtung Verschlankung der Kammer.

A.: Es gibt auch eine viel diskutierte neue Vizepräsidentin. Welches Signal will man damit setzen? 
S.: Dr. Raunig ist nicht nur die einzige Frau im Präsidium, sie ist auch niedergelassene Allgemeinmedizinerin und soll die Interessen dieser Berufsgruppe an prominenter Stelle vertreten. Laut Regierungsübereinkommen sollen HausärztInnen zwar gestärkt werden, geschehen ist bisher aber nichts. Im Gegenteil: Verträge wurden reduziert, es gibt in Wien heute rund hundert HausärztInnen weniger als vor einigen Jahren - und das ist sicher der falsche Weg. Es gibt also genug zu tun.

A.: Lässt sich die Bestellung einer Vizepräsidentin auch als Signal an die Frauen verstehen? 
S.: Von vier Präsidiumsmitgliedern ist sie zwar die einzige Frau, aber besser eine als keine. Wir bemühen uns um Frauen, die sich engagieren wollen und binden sie gerne in allen möglichen Funktionen innerhalb der Kammer ein. Das ist auch dringend notwendig, schließlich sind schon fünfzig Prozent aller Ärzte in Wien Frauen und deren Probleme sind eben sehr spezifisch. Wir brauchen frauengerechte Arbeitszeiten und adäquate Kinderbetreuung, denn wenn man den Ärzteberuf nicht attraktiv für Frauen macht, wird man massive Probleme bekommen, Frauen in Anstellung zu halten.

A.: Apropos Anstellung, wie will man sich jetzt um die Anliegen der SpitalsärztInnen kümmern? 
S.: Dafür zuständig ist Vizepräsident Dr. Leitner, der Vorsitzende der Kurie der Angestellten ÄrztInnen. Er wird vor allem die Entlastung der ÄrztInnen in der ärztlichen Routinearbeit als auch in der Administrative ins Auge fassen. Ein sehr wichtiger Bereich ist auch die Ausbildung, hier müssen vor allem effiziente, berufsrelevante Inhalte erarbeitet werden. Für die Lehrpraxis in Ausbildung zum/r AllgemeinmedizinerIn muss eine adäquate Finanzierungsform gefunden werden, in die der Bund involviert sein muss.

A.: Die elektronische Gesundheitsakte ELGA wird derzeit öffentlich heftig diskutiert und von der Politik eingefordert. Sind die Bedenken der Ärztekammer schon ausgeräumt? 
S.: Nein keineswegs! Es sollen ja bekanntlich alle Gesundheitsdaten der Österreicherinnen und Österreicher gespeichert werden. Was bedeutet, dass diese auch potentiell zugänglich sein werden. Missbrauch wird hier Tür und Tor geöffnet, was uns Datenschützer auch bestätigen.  Es ist uns unverständlich, dass es sowohl seitens der ÄrztInnen als auch seitens der PatientInnen zu einer Verpflichtung kommen muss. Wenn das System einfach und praktikabel ist, wird es auch als Opt In-Modell erfolgreich sein. Dass dem nicht so ist, befürchten wir vor allem beim E-Medikationsmodul, einem Teil des ELGA-Systems. Laut unabhängigem Gutachten müsste das Modul neu aufgesetzt werden, weil es nicht benutzerfreundlich ist. Es dauert nicht nur eine halbe Minute pro Rezept, bis es aufgeschlagen ist, es ist auch bei 13.000 Verordnungen zu 10.000 (!) Fehlermeldungen gekommen. Ein technisch derart unausgereiftes System umzusetzen macht absolut keinen Sinn. Man sollte auch bedenken, dass andere Länder wie Deutschland und England wieder davon abgekommen sind. Man müsste zumindest die Verpflichtung herausnehmen und ein Opt In ermöglichen.

A.: Zum Schluss: Sie brauchen für wichtige Entscheidungen die Unterstützung vieler Gruppierungen in der Kammer. Erschwert das ihre Arbeit?
S.: Bisher nein. Unsere Koalition hat derzeit weniger Probleme inhaltlicher Natur als viele annehmen. Wir vertreten bisher in allen Fragen eine gemeinsame Linie, letztendlich entscheidet die Mehrheit.

A.: Wir wünschen weiterhin ein gutes Arbeitsklima und danken für das Gespräch.

Curriculum Vitae

6. April 1962 geboren in Wien
9. Juni 1980 Reifeprüfung (Bundesrealgymnasium Wien 1., Schottenbastei)
1980-1981 Jusstudium an der Universität Wien
1981-1988 Medizinstudium an der Universität Wien
3. Februar 1988 Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde
3. Februar 1994 Facharzt für Med. & Chem. Labordiagnostik Universität Wien
26. Mai 1994 Habilitation zum Universitätsdozenten für Klinische Chemie und Labordiagnostik
Mai 1996 Absolvierung des Postgraduellen Universitätslehrganges für Medizinische Führungskräfte (Managementlehrgang mit 200 Stunden)
1. Oktober 1997 Verleihung des Amtstitels "Außerordentlicher Universitätsprofessor"
Juni 2003 European Clinical Chemist
2003 Fellow of the European Board of Polyvalent Medical Biopathology
November 2003 PhD (Doktor phil.) Universität Trnava
2004 Qualitätsmanager und Interner Auditor
April 2005 Facharzt für Humangenetik
Seit 1. Dezember 1996 Oberarzt am Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Medizinischen Fakultät der Universität Wien / Zentrallabor des AKH der Stadt Wien.
Seit 2001 Vorstandsmitglied der Ärztekammer für Wien
2003-2007 Forschungsreferent der Ärztekammer für Wien
Ab Mai 2007 Vorsitzender der Kurie der angestellten Ärzte in der Ärztekammer für Wien
1. Vizepräsident der Ärztekammer für Wien
Seit 2005 Vorsitzender des Betriebsrates des Wissenschaftlichen Personals an der Med. Uni Wien
Seit 7. Mai 2012 Präsident der Wiener Ärztekammer

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