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SpitalsärztInnen: Wir sind Notnägel  des Systems.

Im Visier: Situation der SpitalsärztInnen | SpitalsärztInnen: Wir sind Notnägel des Systems.

Personalvertretung

Seit Jahren steigt die Arbeitsbelastung der ÄrztInnen und Ärzte in den KAV-Spitälern kontinuierlich an. Ebenso lang werden Entlastungsszenarien diskutiert. Jetzt ist offenbar endlich Bewegung in die Diskussion um administrative Stationshilfen und die Teilzeit für TurnusärztInnen gekommen (siehe Beitrag Seite 3). Eine breit angelegte Entschärfung der Situation ist für viele KollegInnen auch dringendst nötig, wie die Praxis zeigt.

Dokumentationspflicht. Ärztinnen und Ärzte müssen bis dato alle Daten (Dekurse, Arztbriefe, Ambulanzakte) selber entweder ins System eintippen oder auch handschriftlich festhalten. Das nimmt bei allen - von TurnusärztInnen bis zu leitenden StationsärztInnen - sehr viel kostbare Zeit in Anspruch, die eigentlich für die Betreuung der PatientInnen genützt werden sollte. Die nun geplanten Stationssekretäre/-sekretärinnen könnten vorab diktierte Texte verarbeiten und uns damit zeitlich enorm entlasten. Denn die Bürokratie wird mit der Patientenfrequenz und der verstärkten Vernetzung von Gesundheitsdaten weiter steigen.

Personalmangel. Die Arbeitsbelastung steigt stetig, sechs und mehr Nachtdienste pro Monat sind keine Seltenheit, was zu permanenten Arbeitszeitüberschreitungen führt. Wenn zum Beispiel mehr als eine Kollegin schwanger wird und damit für Nachtdienste ausfällt, sind die Dienste auf einer Abteilung kaum noch zu besetzen. Bei frühzeitigen Freistellungen von Schwangeren wird die Stelle erst mit Beginn des Mutterschutzes nachbesetzt, was auch unweigerlich zu Engpässen führt. Ältere KollegInnen und junge Eltern würden oft gerne weniger Dienste machen, um die körperlich-seelische Belastung zu verringern oder aber mehr Zeit für die Familie zu haben. Derzeit sind vier Nachtdienste pro Monat zur normalen Tagesarbeitszeit von acht bis dreizehn Uhr verpflichtend für alle. Allerdings wurde nun zumindest eine Teilzeitregelung für TurnusärtInnen (siehe Beitrag Seite 7) ausverhandelt, die für diesen Bereich entsprechende Entlastung verspricht. KollegInnen in Teilzeit werden ohne Personalaufstockung künftig aber wiederum im Nachtdienstrad fehlen.

Niedriges Grundgehalt. Für viele Kolleginnen und Kollegen ist es aber aus finanziellen Gründen dringend notwendig möglichst viele Nacht- und Wochenenddienste zu versehen, um zu einer angemessenen Entlohnung zu kommen. Das Grundgehalt ist eindeutig zu niedrig angesetzt. Vor allem junge ÄrztInnen in Ausbildung fühlen sich im Dschungel zwischen Bürokratie und ärztlichen Hilfsdiensten als "Lückenbüßer", die das System aufrecht erhalten. Wobei die Ausbildung  - vor allem in Spezialbereichen - oft zu kurz kommt.
 
Hohe Patientenfrequenz. Die Nachtdienste werden nicht zuletzt wegen der hohen Frequenz in den Notfalleinrichtungen besonders intensiv. Viele Patientinnen und Patienten kommen auch mit vergleichsweise banalen gesundheitlichen Problemen ins Spital, weil sie keine entsprechenden niedergelassenen ÄrztInnen finden. Hier wäre es dringend notwendig, die Spitäler durch vorgeschaltete, entsprechend flexible Kassenordinationen zu entlasten.

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