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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres

Editorial

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Wir wollen die Kammer endlich nach innen und außen durchlüften. Die Bewegung 20/20 tritt zur Ärztekammerwahl 2012 an, um diese verkrustete Institution zu reformieren und zu einer aktiven, konstruktiven Interessensvertretung aller ÄrztInnen zu machen. Statt Klientelismus wollen wir gemeinsamen Einsatz für wichtige Ziele.

Und deren gibt es genug, kurienüberschreitend. Wir müssen und werden der Politik und Öffentlichkeit klar machen, dass eine Gesundheitsreform kein undifferenziertes Sparprogramm ist, wo man einfach Kosten kappt und damit nichts am System ändert.
Wir werden dafür kämpfen, dass es zu einer produktiveren Vernetzung des muralen und extramuralen Systems kommt. Das heißt aber: deutlich mehr Kassenverträge, vor allem für Ambulanzordinationen. Junge ÄrztInnen sollen faire Chancen haben, wenn sie eine Praxis eröffnen oder in ein Ärzteunternehmen einsteigen möchten.
Notwendig ist eine wirklich praxisnahe und qualifizierte Turnusausbildung, essentiell sind mehr qualifizierte Dienstposten in den Krankenhäusern. Ange-sichts der demographischen
Entwicklung der Bevölkerung und eines Pensionsschubs bei den aktuell tätigen ÄrztInnen, droht uns künftig ein Ärztemangel. Dieser Entwicklung können wir nicht tatenlos und schön-
färberisch zusehen.
Wir werden kammerintern dafür eintreten, dass sich ein "Apparat zur Verteidigung von Interessen Weniger" hin zu einer Serviceorganisation für alle Ärztinnen und Ärzte entwickelt, die verstärkt politisches Gewicht auch in der Öffentlichkeit und als Verhandlungspartner mit der Politik einbringt.
Kammerintern heißt das: deutliche Reduktion der Kammerumlage und der Beiträge für den Wohlfahrtfonds auf zehn Prozent und nicht kosmetisch um zehn Prozent. Transparenz in den Ver-anlagungen und der Mittelverwendung, Reorganisation der Referate, die Etablierung eines Referats für ÄrztInnen mit Migrationshintergrund. Ein Thema ist besonders wichtig: bessere Arbeitsumfelder und -bedingungen für Ärztinnen. Schließlich wird künftig die deutliche Mehrheit der Mediziner weiblich sein. Darauf müssen die Kranken-
häuser Rücksicht nehmen. Dafür muss es neue Organisationsmodelle geben.
Kammerreform ist: Objektivität in der Vergabe von Kassenverträgen, stärkeres Engagement für die angestellten ÄrztInnen in den Krankenhäusern. Die Kammer ist auch, aber nicht nur das Interessensinstrument der nie-dergelassenen ÄrztInnen.
Wir wollen nicht nur ständig darüber reden, wie wichtig uns AllgemeinmedizinerInnen sind, sondern wirklich etwas für sie tun. Und dazu braucht es eine starke, geschlossene Interessensvertretung, die politisch unabhängig agiert. Reform verlangt Mut, Einsatz und gemeinschaftliches Denken und Handeln.
Als Spitzenkandidat der Bewegung 20/20 lade ich Sie alle ein, ein Stück dieses Reformweges mit uns zu gehen. Die Herausforderungen an das Gesundheitssystem und dessen eigentliche Träger, die Ärztinnen und Ärzte, sind groß wie nie. Wir werden uns diesen Herausforderungen stellen.

Ihr
Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres
Vizepräsident der Ärztekammer Wien

P.S.: Funktionen in der Ärztekammer sind keine Erbpacht. Präsident Dr. Walter Dorner tritt nicht mehr an. Dass man gleichzeitig verkündet, Dr. Johannes Steinhart wäre automatisch der nächste Präsident, heißt, dass man demokratische Wahlen nicht ernst nimmt. Präsidenten werden immer noch gewählt. Und nicht verordnet. Deshalb gibt es auch einen Wahlgang am 24. März 2012. Gerade deshalb: Hingehen, wählen, Demokratie ernst nehmen.

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Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen