topimage
Sozialdemokratische ÄrztInnen
Banner Header
Aktuelle Ausgabe
Prävention: Gesundheitsförderung für alle Kinder Patientinnen und Patienten des AKH zeigen sich soldidarisch mit den Anliegen der Ärzteschaft.

Im Visier: Kindergesundheit | Prävention: Gesundheitsförderung für alle Kinder

Gesundheitspolitik

In der Kindheit werden Weichen gestellt, die großen Einfluss auf die Gesundheit haben und die Lebensgewohnheiten nachhaltig prägen. Deshalb ist Gesundheitsförderung im Kindesalter besonders wirksam, ihr Fehlen wirkt sich ein Leben lang aus. Und um die Gesundheit der Kinder steht es auch in Österreich nicht zum Besten, wie die aktuelle OECD-Statistik zeigt (siehe Kasten II). Vor allem präventiv muss vieles getan werden, um Folgeschäden für die jungen Menschen und letztendlich für das gesamte Gesundheitssystem zu minimieren.

Kindergesundheitsdialog. Aus diesem Grund hat Gesundheitsminister Alois Stöger vor rund einem Jahr einen Kindergesundheitsdialog gestartet. Mehr als 180 Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen und vielen anderen Bereichen haben darin mit großem Engagement und hoher Kompetenz ihr Wissen und ihre Erfahrung eingebracht. Ende  September dieses Jahres wurden die Ergebnisse präsentiert. Die Strategie stellt einen Paradigmenwechsel in Österreich dar: Erstmals wurden die vielfältigen Bedürfnisse und Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien in einem Gesamtzusammenhang betrachtet. Denn Kindergesundheit ist mehr als Krankenversorgung. Das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen hängt davon ab, wie sie wohnen, wo sie spielen, was sie lernen und ob ihre Eltern arm oder reich sind. Nicht zuletzt - und das ist wohl das Wichtigste - hängt es davon ab, wie viel Liebe, Fürsorge und Unterstützung sie bekommen können.

Prävention vorrangig. "Es ist die Aufgabe von uns allen dazu beizutragen, dass unsere Kinder in Gesundheit großwerden und ein starkes Selbstvertrauen entwickeln können", meint Gesundheitsminister Alois Stöger dazu. "Die Kindergesundheitsstrategie ist ein erster wichtiger Schritt. Für die Umsetzung braucht es die Unterstützung aller gesellschaftlichen und politischen Kräfte. Zuständigkeitsgrenzen dürfen keine Hürden für die Gesundheit unserer Kinder sein."

Die Strategie sieht eine Vielzahl von Maßnahmen vor, die kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden. Dabei wird der Gesundheitsförderung und Prävention ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Das Zusammenwirken aller wichtigen Partner im Gesundheitswesen und anderer Politikbereiche ("Health  in All Policies") stellt eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg bei der Umsetzung dar.

Maßnahmen entwickelt. In sechs Arbeitsgruppen sind unterschiedliche Themenbereiche, wie Gesundheitsförderung und strukturelle Prävention,  Versorgung, Psychosoziale Gesundheit, Rehabilitation,  Risikoschwangerschaft und -geburt sowie Kinder-Arzneimittel analysiert worden. Die Ergebnisse wurden den Themenschwerpunkten in Form eines Maßnahmenkataloges zugeordnet. Vorgestellte Modellprojekte fließen als Bespiele in die Strategie ein. Einige Punkte des Katalogs befinden sich im Pilotstadium, andere sind schon in der Umsetzungsphase (siehe Kasten).
Diese Kindergesundheitsstrategie ist der Anfang eines langen, konsequenten Weges. Eine Koordinationsstelle im Gesundheitsministerium und ein Advisory Board kümmern sich um die Umsetzung der Maßnahmen bzw. eine laufende Anpassung und Weiterentwicklung der Strategie. Falls Sie Fragen oder Anregungen dazu haben, wenden Sie sich bitte an veronika.wolschlager@bmg.gv.at.

Statement 
Wir müssen die gesunde Lebenserwartung erhöhen.
In Österreich wird zu wenig Geld für Prävention ausgegeben, weniger als im OECD-Schnitt. Ungesund lebende Kinder von heute sind kranke Erwachsene von morgen. Es muss uns gelingen, die gesunde Lebenserwartung zu erhöhen, denn nur so können Menschen ein langes Leben auch entsprechend genießen. Ganz zu schweigen von den zu erwartenden Folgekosten einer kranken Generation 60plus. Der Focus sollte sich daher vor allem auf die Problemfelder steigendes Übergewicht, Rauchverhalten und Alkoholkonsum von jungen Menschen richten. Hier muss mit gesundheitspolitischen Maßnahmen dringend gegengesteuert werden.
Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres, Vizepräsident der ÄKW



Maßnahmenkatalog zur Kindergesundheit
Stärkung der Lebenskompetenzen
Lebenskompetenzen, wie Selbstwahrnehmung, Umgang mit Stress und negativen Emotionen, Kommunikationsfähigkeit und Selbstbehauptung sind Voraussetzungen für eine gesunde Lebensgestaltung und für Wohlbefinden. Die Strategie sieht ein Bündel von Maßnahmen vor, die Kindern und Jugendlichen hilft, diese Kompetenzen zu fördern und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Ernährung und Bewegung
Für Maßnahmen, die die richtigen Essgewohnheiten von Kindesbeinen an fördern,  wurden von Bund, Ländern und Sozialversicherung für die nächsten drei Jahre rund 10 Millionen Euro freigemacht. Auch im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Ernährung (NAP.e) werden Projekte unterstützt. Derzeit wird im Auftrag des Sport- und des Gesundheitsministeriums auch ein Nationaler Aktionsplan Bewegung (NAP.b) erarbeitet.
Frühe Hilfen
Eltern sollen so früh wie möglich dabei unterstützt werden, ihre Kinder gut zu versorgen und eine sichere Bindung zu ihnen aufzubauen. Das Konzept der Frühen Hilfen, das in anderen Ländern, wie in Deutschland, bereits erfolgreich umgesetzt wird, soll zielt unter anderem darauf abzielen,  (werdende) Eltern in ihrem Lebensumfeld bei ihrer Betreuungs- und Erziehungsaufgabe zu unterstützen.
Eltern-Kind-Vorsorge neu
1974 wurde der Mutter-Kind-Pass Der Mutter-Kind-Pass soll auf Evidenz überprüft, überarbeitet, modernisiert und aktualisiert werden. Dazu hat Der Minister eine Grundlagenarbeit in Auftrag gegeben, die Lösungsansätze für eine neue Eltern-Kind-Vorsorge erarbeiten soll.
Erweiterung des Kinderimpfplans
Ab 2012 ist auch eine Erweiterung des Impfkonzepts für Kinder um die Gratis-Impfungen gegen Pneumokokken und Meningokokken und die entsprechende Aufstockung der finanziellen Mitteln dafür geplant.
Maßnahmen zur Senkung der Kaiserschnittrate und Frühgeburten
Die österreichische Frühgeburtenquote liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Aufgrund  von Mehrlingsgeburten durch Hormonbehandlung und künstlicher Befruchtung sowie das steigende Alter der Mütter und Lebensstilfaktoren, wie Stress, Rauchen und Alkohol. Auch die Kaiserschnittraten liegt in Österreich mit rund 30 Prozent weit über der Empfehlung der WHO. Als wichtigste Ursachen dafür werden rechtliche Aspekte der Arzt-Haftung und der Wunsch nach besserer Planbarkeit der Entbindung und des Geburtstermins gesehen. Maßnahmen, wie Standards für die maximale Anzahl zu transferierender Embryonen, Richtlinien für die hormonelle Stimulationsbehandlung sowie für die interdisziplinäre Nachsorge von Frühgeborenen sollen die Situation verbessern.
Kinderfreundlichkeit im Spital
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Krankenhausaufenthalte sind für sie besonders belastend. Vor allem in Spitälern ohne Kinderabteilung sollen Bereiche mit entsprechend kindergerechter Ausstattung geschaffen werden. Die Betreuung durch ÄrztInnen und Pflegepersonen mit pädiatrischer Ausbildung soll erweitert und die Infrastruktur für Begleitpersonen verbessert werden. Empfohlen wird auch die Streichung des Selbstbehaltes bei Spitalsaufenthalten von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen.
Kinderrehabilitation 
Das Angebot an kind- und jugendgerechter ambulanter und stationärer Rehabilitation wird schrittweise ausgebaut. Die Errichtung von Reha-Info-Points als zentrale Anlaufstellen und die Schaffung eines Rechtsanspruches auf Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen wird empfohlen.
Versorgung in ausgewählten Bereichen
In der Kindergesundheitsstrategie wird ein rascher Ausbau der stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung gefordert. Ziel ist die Gewähr-leistung einer optimalen Versorgung unabhängig vom sozialen Status durch ein flächendeckendes,  kostenfreies Versorgungsangebot.
Ambulante Versorgung in Notfällen
Durch geeignete, den regionalen Gegebenheiten angepasste Maßnahmen soll die pädiatrische Versorgung in medizinischen Notfällen und an Wochen-enden verbessert werden.
Kinderarzneimittelforschung
Mehr als die Hälfte der in der Kinderheilkunde gängigen Medikamente sind nicht ausreichend für Kinder untersucht. Für den Aufbau eines Netzwerkes zur Erforschung von Arzneimitteln für Kinder und Jugendliche wird eine Basisfinanzierung für die nächsten fünf Jahre zur Verfügung gestellt.

Logo: SPÖ
www.oegbverlag.at
Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen