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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
"Diese Vorgangsweise ist absolut unverantwortlich!" Patientinnen und Patienten des AKH zeigen sich soldidarisch mit den Anliegen der Ärzteschaft.

Im Visier: AKH Einsparungen | Thomas Szekeres: "Diese Vorgangsweise ist absolut unverantwortlich!"

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Es reicht. Die angekündigten Einsparungsmaßnahmen im größten und renommiertesten Spital des Landes haben einen massiven Hilferuf der Ärzteschaft nach sich gezogen. Nach drei Betriebsversammlungen und einer beachtenswerten Unterstützungswelle durch PatientInnen und prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowohl via Internet als auch bei einer Protestveranstaltung vor Ort zieht der geistige Vater und Mitbegründer des Vereins "Rettet das AKH", Thomas Szekeres, Betriebsratsvorsitzender des wissenschaftlichen Personals, Bilanz und kündigt weitere Maßnahmen an, sollten die vorgesehenen personellen und strukturellen Kürzungen nicht zurückgenommen werden.

Analyse (A.): Wie würden Sie einem besorgten Patienten die aktuelle Situation am Wiener AKH beschreiben?

Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres (S.): Die derzeitige Situation in unserem Haus ist eigentlich unbeschreiblich. Der Medizinischen Universität, die ja das ärztliche Personal bezahlt, fehlt es an Geld. Wir werden somit heuer und auch 2012 mit jeweils einem Defizit von neun Millionen Euro abschließen. Ab 2013 bis 2015 fehlen jährlich prognostizierte 30 Millionen Euro. Der Rektor hat deshalb zu rigorosen Maßnahmen gegriffen. Er hat mit Anfang dieses Jahres einen Aufnahmestopp ausgesprochen, der seit Oktober zu einem absoluten Aufnahmestopp ausgebaut worden ist. Es werden also keine freiwerdenden Stellen mehr besetzt. Zusätzlich hat er ab Februar 2012 die Reduktion von 27 Journaldiensträdern angeordnet. All diese Maßnahmen haben enorme Auswirkungen auf unser Krankenhaus, bedenkt man, dass schon jetzt zwei Drittel der Kollegenschaft am Rande eines Burnouts steht. Ich halte diese Vorgangsweise für absolut unverantwortlich und appelliere an die Politik, allen voran an das Wissenschafts- und das Finanzministerium, die Universitäten entsprechend finanziell zu bedecken.

A.: Warum konnte es so weit kommen?

S.: Mir ist es unverständlich, wie es dazu kommen konnte. Aus meiner Sicht gehören sowohl die Universität als auch das AKH entsprechend finanziert. Man versucht in Zeiten der Schuldenbremse offensichtlich auch das Gesundheitswesen runterzufahren. Hier legt man jetzt aber eine Vollbremsung hin, die von uns weder mit tragbar noch mit verantwortbar ist.

A.: Wie geht die Belegschaft mit der Situation um?

S.: Die KlinikmitarbeiterInnen konnten lange Zeit gar nicht glauben, dass es zu derart drastischen Maßnahmen kommen würde. Jetzt stehen sie vor der traurigen Realität und daraus entsteht eine noch nie dagewesene Solidarität in der Kollegenschaft. Wir sind bereit, gemeinsam im Namen unserer PatientInnen und unserer auszubildenden jungen KollegInnen zu kämpfen. Es hat bislang zwei Betriebsversammlungen mit bis zu tausend TeilnehmerInnen und eine öffentliche Betriebsversammlung gegeben, bei der Ärzteschaft, Pflegepersonal und StudentInnen gemeinsam mit PatientInnen und prominenten Ex-PatientInnen massiv gegen die Kürzungen protestiert haben. Und wir sind zu weiteren Maßnahmen bis hin zum Streik  bereit.

A.: Wie soll es jetzt weitergehen?

S.: Die Kürzungen der Nachtdienste sind mit erstem Februar 2012 angeordnet, wir aber können das unmöglich hinnehmen. Auch der Aufnahmestopp muss zurückgenommen werden. Es gibt seitens der Belegschaftsvertretung ein Eskalationsszenario, das wir mit dem Schritt an die Öffentlichkeit eingeleitet haben und das letztendlich alle Kampfmaßnahmen einschließt.

A.: Ihr Appell an die politisch Verantwortlichen?

S.: Geld in die Hand nehmen und entsprechend vernünftige Prioritäten setzen. Es ist wichtig Banken zu retten, indem man innerhalb weniger Tage 100 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, es mögen auch teure Straßen- und Tunnelprojekte wichtig sein, aber für unser Spital gibt es scheinbar kein Geld. Für uns und unsere PatientInnen hat die ausreichende Dotierung des Gesundheitssystems jedenfalls höchste Priorität. Und das werden wir auch deutlich machen.

A.: Wir danken für das Gespräch!

www.rettetakh.at
Nach einer Idee von Thomas Szekeres hat der Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals einen Verein zur Rettung des AKH gegründet. Er ruft sowohl zur Hilfe als auch zum Protest auf. Unter www.rettetakh.at werden Spenden akquiriert und können Unterstützungserklärungen abgegeben werden. "Der Verein ist offen für alle, die sich engagieren wollen. Gemeinsam kann viel bewegt werden.", appelliert Szekeres.

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