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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe

Kassenvertragsverhandlungen

Beharrlichkeit hat sich gelohnt!

Im Herbst 2005 begannen die Verhandlungen zwischen der niedergelassenen Ärzteschaft und der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). Der Anfang war zäh, die Fronten starr. Seitens der WGKK wollte man weder über adäquate Tariferhöhungen noch über eine Abgeltung der laufenden e-card-Kosten sprechen. Das Verhandlungsteam der ÄrztInnen blieb hart und drohte letztendlich mit Aktionstagen und Streik, ohne jedoch die Verhandlungsbereitschaft aufzugeben. Vor der letzten Verhandlungsrunde war klar, dass wir folgende Anliegen geschlossen und mit Nachdruck vermitteln mussten:
Erstens, dass wir die von der WGKK angebotene Honorarsummenangleichung von 2,9 Prozent nicht annehmen können. Das wäre ungefähr so, als ob Arbeiter eine 2,9-prozentige Gehaltserhöhung auf ihr Honorar, also inklusive der zu erwartenden Überstundenabgeltungen, erhalten würden. Kein Gewerkschafter würde dem je zustimmen. Die Sozialpartner führen grundsätzlich Tarifverhandlungen. Zum Vergleich: Die letzte Angleichung für die Metaller betrug 3,1 Prozent auf den Tarif. Die Wiener Ärzteschaft bekam bisher 2,9 Prozent auf das Honorar, das sind ungefähr 1,2 Prozent (!) auf den Tarif (also auf ihre Leistungen ohne Berücksichtigung der Frequenzsteigerung und der damit verbundenen Mehrarbeit) ...
Wir gingen mit der Forderung einer angemessenen Tarifangleichung in die letzte Verhandlungsrunde am 23. 2. 2006 und einigten uns schließlich mit dem Chefverhandler der WGKK Franz Bittner auf eine Tariferhöhung für die Fachärzteschaft von 2,5 Prozent im Jahr 2006 und 2,1 Prozent im Jahr 2007.
Zweitens mussten die Frequenzeinbußen der Praktischen ÄrztInnen, die durch die e-card-Regelung zur Direktwahl des Facharztes aufgetreten sind, entsprechend diskutiert werden. Es ist keine Frage, dass die e-card den PatientInnen Vorteile bringt. Die ÄrztInnenwahl wird flexibler und unbürokratischer. Allerdings führt die fehlende Erstdiagnose der Praktischen ÄrztInnen zu einem ungewollten "Arztshopping": Ein Ziehen im Hals führt vom HNO-Spezialisten über den Röntgenologen schließlich zum Orthopäden usw. Was den Praktikischen ÄrztInnen Einbußen von 10-15 Prozent beschert. Die WGKK hat sich nun bereit erklärt der Praktischen Ärzteschaft eine Tariferhöhung von 5,9 Prozent für 2006 und 3,75 Prozent für 2007 zu gewähren. Außerdem sollen die AllgemeinmedizinerInnen in Zukunft als "SchnittstellenmanagerInnen" fungieren, also die Koordination aller medizinischer Leistungen, inklusive Pflege, übernehmen.
Der dritte wichtige Verhandlungspunkt, die Abgeltung der laufenden e-card-Kosten und vor allem die Fragen zur Datensicherheit, müssen noch geklärt werden. Das e-card-System kann nach wie vor nicht als funktionstüchtig und sicher bezeichnet werden. Wenn nachts seitens der Sozialversicherung Updates gemacht werden, bricht das System am nächsten Morgen zusammen - die Kapazität der Hauptverbandscomputer reicht offenbar nicht aus.
Wie sicher sind die Daten nun in einem derart unsicheren System? Der so sensible Bereich der Gesundheitsdaten ist nach wie vor nicht verifiziert. Deshalb haben wir seitens der Ärzteschaft die Datenschutzkommission auf den Plan gerufen, um die Datensicherheit des Systems zu prüfen. Der Datenschutz ist ein sehr wichtiger Bereich für die PatientInnen. Wir ÄrztInnen haben uns darum zu kümmern. Es geht uns also im Zusammenhang mit der e-card um gerechtfertigte Abgeltung einerseits, aber vor allem auch um den noch nicht gesicherten Datenschutz für unsere PatientInnen.
Das Verhandlungsteam der Wiener Ärzteschaft geht mit Elan und Optimismus in die nächste Verhandlungsrunde. Wir werden auch die restlichen Hürden überwinden und zu positiven Ergebnissen kommen ...
Dr. Klaus Wirtinger, Vertreter der niedergelassenen Fachärzte in der ÄKW

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