topimage
Sozialdemokratische ÄrztInnen
Banner Header
Aktuelle Ausgabe
Symbolbild zum Artikel

Im Visier: Grundgehälter und Arbeitszeit | Thomas Szekeres: "Ich fordere eine massive Anhebung der Grundgehälter - ohne Einkommensverlust durch Reduktion der Arbeitszeiten”

ÄKW

Die Verkürzung der Arbeitszeit für Ärztinnen und Ärzte ist gesetzlich beschlossen. Jetzt muss sichergestellt werden, dass damit kein Einkommensverlust einhergeht - damit der Medizinerberuf in unserem Land wieder an Attraktivität gewinnt.

Der Arztberuf gehört in unserer Zeit zu den Tätigkeitsfeldern mit der höchsten Belastung: Abgesehen von der großen Verantwortung, die er mit sich bringt, gibt es kaum eine Berufsgruppe, die so viel arbeitet wie Ärztinnen und Ärzte: 2013 lag die durchschnittliche Arbeitszeit von Medizinerinnen und Medizinern in Österreich bei 54 Stunden/Woche, im Turnus kamen junge Kolleginnen und Kollegen sogar auf 57 Stunden/Woche – alarmierende Zahlen, wenn man bedenkt, wie niedrig die Grundgehälter sind, die gerade der Nachwuchs für den Einsatz an Patientinnen und Patienten erhält.
Viel zu spät und erst nach eindringlicher Mahnung durch die EU wurde nunmehr mit einer überlangen Übergangsfrist eine Verkürzung der Arbeitszeit für Spitalsärzte beschlossen. Die durchschnittliche Arbeitszeit soll pro Woche auf 48 Stunden reduziert werden.

Arbeitsbedingungen sind für die Jungen zunehmend inakzeptabel. Noch vor wenigen Jahren galten Ausbildungsplätze in der heimischen Spitalslandschaft als Mangelware. Heute werden junge Ärztinnen und Ärzte auch in Österreich überall gesucht.
Die postpromotionelle Ausbildung in Österreich gehört für die junge Generation nicht mehr zu den attraktivsten Optionen, viele gehen direkt nach dem Studium ins Ausland, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter vorfinden. Das Ergebnis: Selbst in Wien gibt es mittlerweile keine Wartezeiten für Turnusplätze mehr.

Der Turnus muss endlich attraktiver werden. Bereits heute zeigt sich, wie dringend sich etwas ändern muss, wenn die aktuell schrumpfende Zahl an Turnusärztinnen und Turnusärzten nicht in einem Ärztemangel münden soll. Um den Turnus und den Ärzteberuf in unserem Land wieder attraktiver zu machen, müssen inhaltliche und strukturelle Reformen in der Ausbildung in Angriff genommen werden. Das heißt vor allem: kürzere Arbeitszeiten, höhere Grundgehälter und eine bessere Ausbildung.
Erste Anzeichen von Reformwillen sind bereits erkennbar: Im Sommer diesen Jahres hat der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (mit Übergangsfristen) die Übernahme von Tätigkeiten wie Blutdruckmessen oder Blutabnehmen durch Angehörige des Pflegedienstes angeordnet – eine deutliche Entlastung für Turnusärztinnen und Turnusärzte. Einer der wichtigsten Schritte wurde allerdings mit der gesetzlichen Verankerung der Reduktion der Arbeitszeiten für Ärztinnen und Ärzte getan, wenngleich die tatsächliche Umsetzung noch länger dauern wird.

Nur durch eine Gehaltserhöhung sind wir international vergleichbar. Doch eines ist klar: Eine echte Verbesserung der Gesamtsituation bringen die verkürzten Arbeitszeiten nur dann, wenn sie nicht an Gehaltskürzungen geknüpft werden. Ich trete deshalb massiv für die Erhöhung der Grundgehälter aller Wiener Spitalsärzte ein. Die Grundgehälter müssen auf ein international vergleichbares Niveau (um mindestens 30 Prozent) angehoben werden.

Nur so erhalten wir ein international vergleichbares Gehaltsniveau. Nur so können wir Jungmediziner in Österreich halten.

Die Ausbeutung der Ärztinnen und Ärzte ist jedenfalls vorbei, und wer glaubt, uns weiter unterbezahlt und überarbeitet am Gängelband halten zu können, irrt sich. Inzwischen gibt es international so viele Optionen und die Jugend ist so flexibel geworden, dass sich die Krankenhauserhalter neben Gehaltserhöhungen auch überlegen müssen, durch eine verbesserte Ausbildung, flexible familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und vor allem durch mehr Wertschätzung ihre Ärztinnen und Ärzte zu halten.

Logo: SPÖ
www.oegbverlag.at
Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen