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Im Visier: Die Rufbereitschaft | Thomas Szekeres: Rufbereitschaft Lösung für den Ärztemangel?

ÄKW

Die fachärztliche Rufbereitschaft ist in vielen Bundesländern nicht nur möglich, sondern wird auch umgesetzt. Dies bedeutet, dass außerhalb der normalen Betriebszeit eines Krankenhauses, meist von 8 bis 16 Uhr, Fachärzte in Rufbereitschaft sind und in vielen Abteilungen ausschließlich Turnusärzte den Regelbetrieb während der Nachmittags- und Nachtstunden versorgen.

In Wien ist dies anders: Hier ist gesetzlich vorgeschrieben, dass aus jedem Fachgebiet zumindest ein Facharzt vor Ort sein muss. Aufgrund der Spezialisierung reicht dies aber nicht aus, und die Journaldienste sind Wien-weit so organisiert, dass die am Nachmittag und in der Nacht benötigten Experten vor Ort sind. Dies sind meist Internisten und Internistinnen beziehungsweise Chirurginnen und Chirurgen mit entsprechender Spezialisierung. Theoretisch bzw. rechtlich würde aber auch in Wien ein ein Facharzt/eine Fachärztin pro Spezialgebiet und Krankenhaus im Dienst ausreichen.

In Wien muss pro Fachgebiet zumindest ein Facharzt vor Ort sein. Nun ist man just im AKH auf die Idee gekommen, die Zahl der Journaldienste zu reduzieren und sich durch Einführung der Rufbereitschaft, dort wo bereits ein Facharzt im Journaldienst ist, zu behelfen. Man spart dadurch Geld, da die Rufbereitschaft wesentlich billiger ist als der Journaldienst, und man kommt mit weniger Personal aus, da die Expertinnen und Experten nicht vor Ort sein müssen und bei Bedarf geholt werden.

Für die Kolleginnen und Kollegen heißt dies aber:

  • während der Rufbereitschaft in der Nähe bleiben – was für Kolleginnen und Kollegen, die außerhalb von Wien wohnen, ein echtes Problem darstellt;
  • keine Theater- oder Konzertbesuche während der Rufbereitschaft;
  • kein Heurigenbesuch, ein Gläschen Wein während der Rufbereitschaft ist praktisch ausgeschlossen;
  • möglichst eine Wohnung in AKH-Nähe mit Verzicht auf Freizeit.

Die Bezahlung während der Rufbereitschaft ist mickrig. Die Bezahlung spielt natürlich auch eine Rolle: Sie ist für pragmatisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lächerlich gering und beträgt einige wenige Euro pro Nacht – brutto, versteht sich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach Kollektivvertrag bezahlt werden, erhalten etwas mehr, aber auch viel zu wenig, wenn man bedenkt, welche Einschränkungen sie auf sich nehmen müssen.
Nicht erwähnt habe ich bisher die Frage der Patientensicherheit. Diese scheint für das Rektorat kaum eine Rolle zu spielen. Das Risiko, dass diensthabende Kollegen und Kolleginnen bei einem Notfall zum Beispiel wegen eines Staus nicht rechtzeitig im OP sein können, scheint man bewusst in Kauf zu nehmen. Das ist nur einer von vielen möglichen Fällen, die deutlich zeigen: Die Rufbereitschaft kann und darf keine Alternative zum Journaldienst sein. Ich spreche mich deshalb in aller Deutlichkeit gegen die Einführung von Rufbereitschaft am AKH aus.

Einsparungen auf dem Rücken von Belegschaft, Patienten und Patientinnen. Die Rufbereitschaft, wie sie im AKH eingeführt wurde, ist lediglich darauf ausgelegt, auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Patientinnen und Patienten Kosten einzusparen.
Wenn es uns nicht bald gelingt, genug Expertinnen und Experten auszubilden und zu halten, um den Spitalsbetrieb in angemessener Form aufrechtzuerhalten, können in Zukunft bestimmte Leistungen einfach nicht mehr rund um die Uhr angeboten werden. Der Versuch, über den Umweg der Rufbereitschaft zulasten der Ärztinnen und Ärzte Kosten einzusparen und dabei auch noch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu gefährden, ist in jedem Fall schlicht inakzeptabel.

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