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Aktuelle Ausgabe
Dr. Sabine Oberhauser Sabine Oberhauser: "Unser solidarisches Gesundheitssystem weiter ausbauen."

Im Visier: Die Pläne der Gesundheitsministerin | Sabine Oberhauser: "Mein Ziel: unser solidarisches Gesundheitssystem weiter ausbauen"

Fokus

Seitdem ich am 1. September 2014 zur Gesundheitsministerin angelobt worden bin, sind rund zwei Monate vergangen. Eines meiner wichtigsten Ziele ist es, unser solidarisch finanziertes Gesundheitssystem zu erhalten und weiter auszubauen.

Als Gesundheitsministerin werde ich alles daransetzen, unser wertvollstes Gut – auf individueller Ebene die Gesundheit, auf gesellschaftlicher Ebene das Gesundheitssystem – vor Spar- und Rationalisierungszwängen zu schützen. Die Menschen werden sich auch in Zukunft darauf verlassen können, dass bei uns nicht die Kreditkarte über den Zugang zu und die Qualität einer Behandlung entscheidet. Die Gesunden zahlen für die Kranken – und das ist gut so.

Ich werde alles daransetzen, unser Gesundheitssystem vor Sparzwängen zu schützen. Das Schöne an der Arbeit als Gesundheitsministerin ist aber auch, dass man sich nicht nur mit Krankheit beschäftigen muss, sondern wie der Name schon sagt, zuallererst mit Gesundheit. Wenn ein Mensch auf die Welt kommt, ist er meist gesund. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass aus gesunden Kindern gesunde Erwachsene werden. Dabei geht es mir aber nicht primär um die Verhaltensprävention, sondern um die Verhältnisprävention, d. h.: Nicht der erhobene Zeigefinger, ein strenges „Du darfst nicht“ oder „Du sollst nicht“ trägt zur Gesundheit der Menschen bei, sondern das entsprechende Angebot an Bewegungsmöglichkeiten, gesunder Ernährung, etc. – und zwar nicht nur in ausreichender Menge und Qualität, sondern auch möglichst niederschwellig verfügbar, sodass sich ein gesunder Lebensstil leicht in den Lebensalltag integrieren lässt.

Ich will Rahmenbedingungen so gestalten, dass aus gesunden Kindern gesunde Erwachsene werden. Natürlich kommen aber auch der Bildungsarbeit und dem Wissenstransfer im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention zentrale Rollen zu. Hierbei ist es sinnvoll, das Gesundheitspersonal, also Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Kranken- und Pflegepersonal etc., miteinzubeziehen. Aber was braucht es dazu? In erster Linie Zeit – mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten, aber auch mehr Zeit für die Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger etc. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass Zeit das ist, was sich alle Beteiligten am meisten wünschen. Damit meine ich nicht nur Zeit im Behandlungsraum, also Zeit, um über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten oder eben auch über Gesundheitsförderung und Prävention aufzuklären, sondern auch kürzere Wartezeiten und verstärkte Randöffnungszeiten. Bleibt die Frage nach dem Wie.

Wohnortnahe Versorgung wird in Zukunft noch patientenorientierter gestaltet. Primary Health Care, kurz PHC, zu Deutsch Primärversorgung – ein etwas sperriger Begriff, hinter dem sich eine einfache Idee verbirgt: die Neuordnung der derzeitigen Versorgungsstrukturen, um die wohnortnahe Versorgung in Zukunft noch patientenorientierter und effektiver zu gestalten. Dabei wollen wir aber nicht von heute auf morgen alles umkrempeln, sondern auf dem Bestehenden aufbauen und Schritt für Schritt vorgehen. Behandlungszentren bzw. -netzwerke im ländlichen Bereich, in denen die Patientinnen und Patienten eine umfassende Versorgung mit verschiedensten Gesundheitsdienstleistungen vorfinden, sollen langfristig die klassische Versorgung durch Hausärztinnen und Hausärzte ergänzen. Denn damit die zeitlichen Anforderungen auch erfüllt werden können, ist es notwendig, die Kooperation zwischen den Berufsgruppen zu stärken. Im Zuge der ersten Pilotierungsphase soll bis 2016 ein Prozent der Patientinnen und Patienten in den neuen Primärversorgungseinrichtungen betreut werden. Ich möchte ein Gesundheitssystem, das die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten und jene des Gesundheitspersonals gleichermaßen berücksichtigt. Jede/r soll sich in unserem Gesundheitssystem gut aufgehoben fühlen.
 
Das geht nicht von heute auf morgen, aber den richtigen Weg haben wir bereits eingeschlagen. Die Bundeszielsteuerungskommission – ein partnerschaftliches Gremium von Bund, Ländern und Sozialversicherung – ist damit befasst, die Gesundheitsreform weiter mit Leben zu füllen. Ein spannender Prozess, den ich mich freue, die nächsten vier Jahre begleiten zu dürfen.

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