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Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres Thomas Szekeres: "Der Wohlfahrtsfonds steht auf sicheren Beinen."
Tabelle: Gestaffelte Beitragssätze Gestaffelte Beitragssätze - zum Vergrößern bitte auf die Tabelle klicken!

Im Visier: Der Wohlfahrtsfonds Neu | Thomas Szekeres: "Der Fonds ist fit für die Zukunft"

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Zwei Jahre lang haben Expertinnen und Experten an der Reform des Wohlfahrtsfonds der Ärztekammer Wien gearbeitet. Im Juni wurde sie mit großer Mehrheit beschlossen. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer Wien, erklärt im Analyse-Interview die wichtigsten Neuerungen.

Analyse: Herr Szekeres, der Wohlfahrtsfonds sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Unmut unter den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern. Warum?
Thomas Szekeres: Vor rund 30 Jahren sind leider ein paar finanzwirtschaftliche Fehler passiert, die das Vertrauen in den Wohlfahrtsfonds erschüttert haben. Mittlerweile hat sich die Situation allerdings grundlegend geändert. Der Wohlfahrtsfonds ist heute nicht nur vollständig saniert, sondern verfügt über beträchtliche Vermögenswerte. Er wurde auch teilweise in ein kapitalgedecktes Verfahren umgewandelt. Dadurch werden die eingezahlten Beiträge verzinst und nicht sofort für die Bezahlung der Pensionen verwendet. Es ist auch wichtig, dass der Fonds im Fall von Erwerbsunfähigkeit eine Pension zahlt und auch eine Hinterbliebenenversicherung für Witwen/Witwer und die Waisenversorgung beinhaltet.

Analyse: Wie hat sich der Fonds in den letzten Jahren entwickelt?
Thomas Szekeres: Wir können sehr zufrieden sein. In den vergangenen Jahren betrug die jährliche Rendite im Durchschnitt 3,6 Prozent, seit Anfang des Jahres verzeichnen wir sogar einen Vermögenszuwachs im Masterfonds von ca. fünf Prozent. Das gesamte Vermögen im Masterfonds beträgt derzeit ohne Zinshäuser 360 Millionen Euro. Wir konnten in den letzten zwei Jahren Zinshäuser auf der Mariahilfer Straße im Wert von etwa 70 Millionen Euro erwerben, weitere Immobilien in bester Lage wie zum Beispiel in der Rotenturmstraße, am Kohlmarkt oder am Franz-Josefs-Kai befinden sich im Eigentum des Fonds. Der Wohlfahrtsfonds ist damit abgesichert und steht sehr gut da. Das Gesamtvermögen beträgt derzeit weit über 500 Millionen Euro!
Laut Berechnungen von Versicherungsmathematikern können für die nächsten Jahrzehnte die Pensionen mit Valorisierung bezahlt werden.

Analyse: Sie haben immer wieder betont, wie dringend die Reform des Wiener Wohlfahrtsfonds ist. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte, die in Angriff genommen werden mussten?
Thomas Szekeres: Das wichtigste Ziel war, die Beiträge spürbar zu senken. Außerdem wollten wir den Fonds insgesamt so gestalten, dass Kolleginnen und Kollegen mit niedrigerem Einkommen weniger einzahlen müssen. Die Beiträge stellten vor allem für Kolleginnen und Kollegen, die nicht so viel verdienen, eine besondere Belastung dar. Deshalb haben wir beschlossen, vor allem die 30 Prozent der BeitragszahlerInnen, die am wenigsten verdienen, spürbar zu entlasten. Auch Kolleginnen und Kollegen, die vorübergehend weniger verdienen oder innerhalb eines Jahres starke Verdienstunterschiede hatten – zum Beispiel durch Karenzzeiten –, werden daher besonders entlastet.

Analyse: Was hat sich konkret bei den Beiträgen geändert?
Thomas Szekeres: Bisher zahlten alle Mitglieder denselben Beitragssatz von 14, 2 Prozent. Das haben wir geändert. Die Beiträge wurden jetzt gestaffelt und orientieren sich an den Einkommen. Gut 30 Prozent der Kolleginnen und Kollegen werden jetzt weit weniger als 14 Prozent zahlen. Insgesamt wird es bei der Beitragsberechnung acht Einkommensstufen geben. Grundsätzlich gilt: Mitglieder, die ihre Beiträge auf einer Bemessungsgrundlage von maximal 30.000 Euro im Jahr zahlen – also ungefähr 40.000 Euro im Jahr brutto verdienen –, werden im neuen System wesentlich weniger als 14 Prozent zahlen.

Analyse: Werden geringe Einkommen besonders entlastet?
Thomas Szekeres: Mitglieder, die eine Bemessungsgrundlage von weniger als 6.000 Euro haben, werden in Zukunft gar keine Beiträge mehr zahlen und lediglich die Krankenunterstützung in Höhe von 40 Euro im Jahr entrichten müssen. Das Besondere ist: Sie bleiben während der beitragsfreien Zeit gegen Berufsunfähigkeit abgesichert.

Analyse: Kritiker fordern immer wieder die Abschaffung des Wohlfahrtsfonds. Was sagen Sie denen?
Thomas Szekeres: Gerade heute ist derlei Kritik nicht immer nachvollziehbar. Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Wochen und Monaten eine ASVG-Pensionskontobenachrichtigung erhalten haben, ist längst bewusst: Eine zusätzliche Säule bei der Altersversorgung macht durchaus Sinn, um im Alter unbeschwert leben zu können. Ich bin davon überzeugt, dass das in Zukunft immer wichtiger wird. Gerade junge Kolleginnen und Kollegen werden mit Sicherheit immer mehr auf ein zweites Standbein neben der ASVG-Pension angewiesen sein. Der Wohlfahrtsfonds bietet sichere und zusätzliche Absicherung: Renommierte Versicherungsmathematiker bestätigen die Zuverlässigkeit des Wohlfahrsfonds, die Beiträge sind vergleichsweise günstig und – im Gegensatz zu privaten Vorsorgeversicherungen – voll zu 100 Prozent steuerlich absetzbar.

Analyse: Was wird sich für Turnusärztinnen und Turnusärzte ändern?
Thomas Szekeres: Bisher waren Turnusärztinnen und Turnusärzte die ersten drei Jahre von Beitragszahlungen befreit. Das haben wir mit einer fünfjährigen Übergangsfrist abgeschafft, weil wir wirklich ein Beitragssystem schaffen wollten, das sich ausschließlich am Einkommen orientiert.
Nachdem es sich um eine wichtige Vorsorge für die Pension, die bei guten Renditen auch eine Arbeitsunfähigkeitspension sowie eine Hinterbliebenenversorgung zu steuerlich extrem begünstigten Bedingungen beinhaltet, handelt, ist es inzwischen vorteilhaft geworden, in  den Fonds einzuzahlen.

Analyse: Danke für das Gespräch!

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